Komische Käuze

Bild mit freundlicher Genehmigung von (C)Uwe Bressem

Komische Käuze

Eigentlich mag ich Eulen nicht
zu Aberglaubenträchtig
weil ihr Revier meist nächtig
und zu kommerzverdächtig

Dann traf ich sie
die „Schleiereule“
und die „Eigentliche Eule“
da verzieh ich ihr Geheule

Die Spatzen

Die Spatzen
(C)2016 Gabyi

Der Spatzenvater stopft den Schnabel
er nimmt nicht Löffel und nicht Gabel
nur seinen eigenen. Sprich: Schnabel
Das Junge wird nicht groß gefragt
Es hat zu fressen was der Alte sagt
auch wenns nicht schmeckt
damit das Kleine nicht verreckt
Gegessen wird was auf dem Tisch
befiehlt der Vater tyrannisch
Auch wenn die kleinen Spatzen
aufrührerisch dagegen schwatzen

Bleiche Weide – Steife Rauke

Was ich mich nie zu fragen traute:
Steht sie am See, die Steife Rauke ?
Und dann die Bleiche Weide
Wächst sie auch in der Heide ?
Oder der blaue Eisenhut
wofür war seine Farbe gut ?
Was ist Wasserschwanenröhricht
fragte ich mich einmal töricht
Steh’n Moosglöckchen und Schwanenblume
auch mal auf der Ackerkrume ?
Und Eselsdisteln und Felsennelken
müssen sie in Gebirgen welken ?
Schwarze Schafsgarbe, Blut-Weiderich
sind sie wirklich so schauerlich ?
Fragen stell ich über Fragen
der Botanik – wer kann’s mir sagen ?

(C) 2003

Die Feuerwanze

Gemeine Feuerwanze – Geometrie
schwarz – rot – rot – schwarz
edles Design von Feuerwehr
kein Käfer ist so hip wie sie
(und ein Käfer war sie nie)
rot – schwarz – schwarz – rot
Warn(dreieck)tracht schützt vor Not
Dreieck mit Kreis – Design gegen Tod

(sie krabbeln auf einer Robinie im Schlosspark Charlottenburg)

aus „Berliner StattPläne“

Der Teddy „Machtjanix“

Bild mit freundlicher Genehmigung von (C)Uwe Bressem | Foto von Gabyi

Der Teddy „Machtjanix“

Als meine Mutter ins Heim kam, brachten wir ihr einen Teddy aus dem KaDeWe mit. „Macht ja nichts“ sagte sie bedauernd und tröstlich zugleich. Wir tauften den Bären „Machtjanix“. Dann verschwand er irgendwann plötzlich aus unerfindlichen Gründen. Wir kauften ihr einen neuen Bären, der fortan bei uns „Machtjadochwas“ hieß.

08.06.2015

Hippocampus Duplex

Bild mit freundlicher Genehmigung von (C)Uwe Bressem
Die Tragik des siamesischen Seepferdes

Es war einmal ein süßes Seepferdchen. Seepferde sind eigentlich Fische und sehr beliebte Tiere, besonders bei den Kurgästen. Die kaufen sie in den Strandpavillonen, um sie ihren Hinterbliebenen mitzubringen.
Das Tier, von dem ich berichte, ist allerdings ein ganz besonderes Exemplar. Es ist eine Laune der Natur und wahrscheinlich ein weiteres Opfer von Fukushima. Aber die Japaner sehen sich nicht gerne in der Opferrolle, das weiß jeder. Also durfte das kleine Ungeheuer weiterleben und wurde meistbietend am Strand angeboten. Es war luftgetrocknet und sorgfältig präpariert.

Es besaß zwei Köpfe und produzierte vormals Eier für seinen Dottersackvorrat zum Spritzen in die Bauchtasche des Männchens, wo sie normalerweise vom männlichen Sp**** befruchtet werden. Diesem Einspritzen der Eier geht eine lange Balz voran. Nur dass dieses spezielle Seepferdchen mit sich selber balzen konnte, da es beide Geschlechtsmerkmale besaß.

Ein kleiner Junge in Tokio bekam dieses Zwitterwesen von seiner Kusine geschenkt, die es ihm in einem Aquarium am Strand kaufte und die leider später an einem Nierenversagen zugrunde ging. Da war der kleine Junge, der inzwischen erwachsen war, sehr traurig. Er verschickte Kondolenzkarten an die noch verbliebenen Geschwister der Kusine. So hatte es ihm sein Vater beigebracht.

Das siamesische Seepferdchen indes gab es da schon lange nicht mehr.
Es war bei einem Umzug verschüttet worden.

09.06.15

aus „Gabyi’s Fischlexikon“

 

Hippocampus Duplex
 oder Das siamesische Seepferd

Nicht simpel sondern doppelter
Hippocampus Duplex – Ross-Bi vom Meer
Doppelt gemoppelt ist tragischer
als einfach. Wusste Frau Stöhr
vom siamesischen Ungeheuer

aus „Gaby’s Fischlexikon“

Bartenstein

Bartenstein
(Das Gesetz der Barte)

Ostpreußen, das war einmal ein Land mit unendlichen dunklen Wäldern, mit unberührt einsamen, verschneiten Landschaften und bernsteinern vergoldeten Stränden. Kurische Nehrung, Kurisches Haff, der Luxusbadeort Kranzc und die Kant-Stadt Königsberg mit ihrer roten Backsteinarchitektur. So schön war es gewesen, so wehmütig hatte ihr Vater in stillen Stunden von seiner verlorenen Heimat erzählt, so einsam und traurig saß er an ihrem Kinderbett und sie konnte das ganze Ausmaß seines Leids kaum erfassen. Die ganze Nacht konnte sie nicht einschlafen, so leid tat er ihr. Wie auf kalt Eisen, so schlug er seine Kinder ein und schrie dazu:
„Ich schlag‘ wie auf kalt Eisen!“ –
und wurde damit dem Wappen seiner Heimatstadt mehr als gerecht, das ein Fischbein (Barte)* eines Wales in der Hand eines Ritters zeigte.
Jetzt, wo sie älter ist, kommen die rotblauen Striemen seiner Stockschläge, die schon lange verheilt waren, allmählich auf ihrer blassen Haut wieder zum Vorschein…

 Die Barte ist eine Hornplatte aus Fischbein im Oberkiefer der Bartenwale. Das  Wappen von Bartenstein: mit einem gewappneten Ritter auf schreitendem geharnischten Ross. In seiner Rechten hält er eine silberne Barte. Ein Ritter zu Pferd, der mit der Rechten eine silberne Barte erhebt. Oder auf einem Stufengiebel zwei gekreuzte Barten.

Der Mensch, der aus dieser Stadt stammt: ein 93-jähriger Greis, der seine Kinder wie auf kalt Eisen schlug und der um seine verlorene ostpreußische Heimat trauert, sie aber niemals mehr besuchen will, weil dort jetzt der Feind lebt. Seine Haupttugend ist die preußische Disziplin und im Grunde seines Herzens ist er ein Feigling und obrigkeitshörig.

(C)2006